© archaeofakt 2015 Projekte Dass man als Archäologe manchmal auch an ungewöhnlichen Orten "ausgraben" muss, zeigte die Untersuchung des 4.  Gewölbejoches auf der Altlandsberger Kirche St. Marien. Obwohl die Staubbelastung durch die komplette Siebung der  Gewölbestickung (Fachbegriff für die Ablagerungen der letzten Jahrhunderte in den Gewölbezwickeln) extrem hoch war  - die Ergebnisse rechtfertigten den Aufwand und die Mühsal. Altlandsberg Frankfurt/Oder, Schulstraße/Kietzer Straße Obwohl das Areal Schulstr./Kietzer Gasse besonders im letzten Jahrhundert durch zahlreiche Bebauungen (vom  Wohnhaus über Heizkraftwerk bis zu Hafenanlagen) überprägt und umgestaltet wurde, erbrachte die archäologische  Baubegleitung zahlreiche Erkenntnisse zur Besiedlung dieser Fläche. Ein Grubenbefund und die daraus stammenden  spätslawischen Scherben können z.B. als Bestätigung des Kietzstandortes (Kietz - Hinweis auf eine mittelalterliche  Dienstsiedlung mit slawischer Bevölkerung) gelten.  Ein neuzeitlicher Brunnenstandort erbrachte dann noch eine hölzerne Steigleitung (datiert nach 1841), ein sehr  wichtiger Fund, wenn es um die Hinterfragung des handwerklichen Geschicks geht, die in der Zeit vor der industriellen  Massenfertigung unsere Vorfahren besaßen. Spezialisten konnten mit extra für diese Arbeit entwickelten Werkzeugen  (Löffelbohrern) diese - zumeist Kiefernholzstämme - durchbohren. In Deutschland führt diese Arbeiten lediglich noch  der Handwerksmeister Hans-Jürgen Wenzel aus Friedebach bei Sayda (Erzgebirge) durch.   Oft sind Bauherren beim Einfamilienhausbau überrascht, wenn sie im Bauantrag über archäologischen Auflagen der  zuständigen Behörde informiert werden. Da unsere Vorfahren gleichfalls die schönsten Plätze für ihre Ansiedlungen  nutzten, können z.B. die Bereiche an Fluss- oder Seeufern über Jahrtausende stark frequentiert worden sein. Dies  traf auch auf einen Hausstandort in Phöben zu, deren Profilschichtungen eine Besiedlung von mind. 1200 Jahren ,  von der Bronzezeit bis in die Römsiche Kaiserzeit, widerspiegelten. Da wir bereits im Vorfeld durch Aktenstudien und  Telefonaten mit zahlreichen anderen Archäologen informiert waren, konnten wir die Bauherren von einer effektiveren  und kostengünstigeren Baumethode überzeugen. Die minimierten Erdeingriffe ermöglichten trotzdem weitere  wichtige Aussagen zur Besiedlungsgenese dieses Fundplatzes, verhinderten allerdings gleichzeitig eine großräumige  Komplettzerstörung. Somit können nachfolgende Generationen mit neuen Untersuchungsmethoden vielleicht weitere  neue Erkenntnisse gewinnen. Phöben Die zunächst allgemein vorherrschende Skepsis der ansässigen Bevölkerung und Geschäftsinhaber gegenüber der  archäologischen Untersuchung der Dresdener Straße - basierend auf ihren Erfahrungen - konnten wir durch effektive  Untersuchungsmethoden und eine offensive Informationspolitik vor Ort positiv beeinflussen. Als Beitrag zur  Kostenreduzierung wurden zwei städtische Mitarbeiter als Grabungshelfer eingesetzt und sofort ins Grabungsteam  integriert. Dieser Straßenabschnitt war über Jahrhunderte die "Lebensader" der Stadt, deren Bedeutung durch die Anlage eines  hölzernen Fahrweges hervorgehoben wurde. Dieser Knüppeldamm, der in einigen Bereichen zumindest zweilagig  nachweisbar war, bestand aus Kiefernstämmen, die wir im dendrochronologischen Labor des DAI Berlin untersuchen  ließen. Mit den festgestellten Werten können wir eindeutig die Anlage für die Zeit um/ kurz nach 1622/1623 belegen. Diese  kurze Bauintensität inmitten des Dreißigjährigen Krieges scheint entweder auf die strenge absolutistische Verwaltung, die  sich ab 1620 unter der Herrschaft von Kaiser Ferdinand II. im Königreich Böhmen durchsetzte, hinzuweisen, oder im  Rahmen der finanziellen Entschädigung des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I erfolgt zu sein. Diesem mussten die  beiden Markgraftümer der Lausitz als Pfand vom Kaiser übergeben werden, da er nach Absprache 1619/20 diese Gebiete  als kaiserlicher Verbündeter besetzt hatte. Vielleicht hofften allerdings auch die Bürger Ruhlands mit einer Werterhöhung  der Stadt die Gunst des evangelischen Kurfürsten zu erlangen, der sie vor der zu erwartenden katholischen  Gegenreformation schützen sollte, die in den nachfolgenden Jahren zum Verbot der protestantischen Bekenntnisse und  Kirchen in Böhmen führte. Aufgrund der zahlreichen neuen Erkenntnisse beschloss die Stadt Ruhland, dass eine Schautafel mit Informationen über  die archäologischen Untersuchungen im Bereich des ehemaligen Stadttores aufgestellt werden soll. Ruhland